Bangkok Reiseführer
Unabhängig und kritisch: echt TIP! Der einzige Reiseführer, der bei Erscheinen aktuell ist: Wir drucken in Kleinstauflagen und aktualisieren laufend!
Dem Bangkok-Führer für 650 Baht liegt die derzeit beste farbige Karte des Großraums Bangkok bei!
650 Baht / 24 Euro / 35 Franken
NEU: 9. Auflage, Januar 2010
Sie werden nichts Aktuelleres und Informativeres über Bangkok auf dem Markt finden.
Geschichte Bangkok
von Hans Michael Hensel.
Wie oft las man schon, daß Bangkok nur knapp über 200 Jahre alt sein soll? Das stimmt nämlich nicht: Schon in unserem Mittelalter war Bangkok eine der wichtigsten Städte des Landes. 95 % der Thais und alle Touristen, die ihr Wissen schlechten Reiseführern entnehmen, glauben dennoch, daß die Stadt 1782 von einem General namens Thong Duan alias Praya Chakri alias Yodfa alias Pra Ram Nüng alias Rachagan Tii Nüng gegründet worden sei. Jener Herr war der erste Herrscher des Chakri-Clans, jener Familie, die noch heute den König stellt. Die Geschichte:
1767 wurde Grungkao alias Ayudhya, Siams Hauptstadt, nach einjähriger Belagerung in einer Orgie der Gewalt, Raub, Vergewaltigung und Brandschatzung von den Birmanen geplündert. Vorausgegangen war die heimliche Flucht wichtiger Anführer, darunter Sin, bekannt als Phya Tak, Herrscher von Tak, der schon ein Jahr zuvor für das Scheitern eines Gegenangriffs verantwortlich gemacht wurde. Beim folgenden Einfall der Birmanen starb der König; viele Überlebende wurden verschleppt: Siam war ein gesetzloses Land, ohne Hauptstadt, ohne Führer.
Dieses Vakuum nutzten Kriegsherren, von machtbessenen Mönchen in Fang im Norden, über einen König von Pitsanulok, einen selbsternannten Gouverneur und Vizekönig in Sri Tammarat im Süden, einen Bruder des letzten Königs, der in Phimai Hof hielt bis zu dem bei Nacht und Nebel aus Ayudhya geflohenen Sin, der seine Machtbasis jetzt in Chantaburi im Südosten aufbaute. Phya Tak oder Taksin, wie man ihn später nannte, stellte sich bei den nun folgenden blutigen Auseinandersetzungen als der Mächtigste heraus und schaffte 1770, nur drei Jahre nach dem Fall von Ayudhya, was zuvor unmöglich schien: Es gab wieder ein einiges Reich und Taksin ließ sich selbst zum König krönen.
Als neue Hauptstadt wählte er die befestigte Stadt Bangkok (bzw., wie man auch gelegentlich liest, Ban Kok), ein wichtiger Zoll- und Handelsposten südlich von Ayudhya. Bangkok könnte man eingedeutscht in etwa als wiedergeben (bzw. , wenn man von Ban Kok ausgeht): Bang steht für Wasserweg oder bezeichnet einen Ort an einem Wasserweg bzw. überhaupt eine Stätte mit Verkehr. Ban heißt Dorf. Kok bzw. Makok ist der Name einer Baumart (Anacardiacae) mit gleichnamigen Früchten, die Schlehen ähneln und ebenso wie Blätter und Rinde medizinisch genutzt werden.
Da ihm nicht als adäquater Name für seine Hauptstadt erschien, befahl Taksin seinen Untertanen, sie ab sofort Thonburi zu nennen. (Schon Grungkao, die alte Hauptstadt, die noch heute offiziell Pra Nakon Sri Ayudhya, also etwa , heißt, hatte man einst nach dem sagenhaften indischen Ayodhya umbenannt bzw. hochbefördert.) Thon steht für Geld, Reichtum, Schatz, Besitz und Kapital, während Buri (siehe Heidelberg, Göteborg, Edinburgh, Cherbourgh) einer der vielen indoeuropäischen Begriffe ist, die ihren Weg über Indien nach Siam fanden.
Taksins historische Leistung der Wiedervereinigung des Landes wurde 200 Jahre lang kaum gewürdigt, zumal unter der Chakri-Herrschaft, deren erster Vertreter Taksin auf grausame Weise töten ließ, lange Zeit wenig Interesse daran bestand, weitere Lichter glänzen zu lassen. Taksins Aufstieg war kurz und endete bitter. Erst in den 1960er Jahren widmete man ihm eine Statue in Thonburi, benannte eine Brücke nach ihm und schrieb ein paar Absätze in den Geschichtsbüchern neu.
Denn Taksin, dessen Vater Chinese war, kam als Außenseiter an die Macht. Die natürlichen Feinde des Emporkömmlings waren somit alle ehemals Mächtigen, die seit Jahrhunderten stets aus den gleichen Familien kamen. 1781 putschte einer dieser Militärführer und zwang Taksin zur Abdankung. Man warf ihm unter anderem vor, daß ihm sein Erfolg derart zu Kopf gestiegen sei, daß er sich als Gottheit habe betrachten lassen - wohl ein Indiz dafür, daß bei seinem Aufstieg für bestimmte Leute einfach nicht genug abgefallen war. Denn auch seine Nachfolger hielten sich für derart überirdisch, daß Bürgerliche sie bei Todesstrafe nicht einmal berühren oder auch nur ansehen durften. Es ist allerdings verbürgt, daß Taksin - wie allerdings nahezu alle seine Vorgänger auch - übelste Grausamkeiten begann.
Taksin hatte den Aufbau einer eigenen Dynastie und Hausmacht vernachlässigt. Die Rebellen standen Thong Duan alias General Chakri nahe, der während der Revolte das siamesische Kriegshandwerk in Kambodscha ausübte, aber erstaunlich frühzeitig von in Bangkok erfuhr und zurückkehrte. Die Frau seines jüngeren Bruders, die aus Chiengmai stammte, soll eine Schlüsselrolle beim Verrat gespielt haben. Chakri hatte beste Beziehungen zu den mächtigen Familien aus der früheren Hauptstadt Ayudhya.
Anschließend genügte es Chakri nicht, daß Taksin nach der Abdankung die Mönchsrobe nahm und in ein Kloster gegangen war. Der offenbar noch als gefährlich angesehene Vorgänger wurde 1782 sein Gefangener. Die neuen Ratgeber waren es dann laut offizieller Schreibung, die vorschlugen, Taksin zu töten. Der Herrscher stimmte dem zu, wie es weiter heißt, und weigerte sich sogar , wie man hinterher schrieb, seinem Vorgänger auch nur ein letztes Gespräch zu gewähren. Chakri überzeugte sich aber anschließend höchstpersönlich davon, daß man Taksin, wie laut Chronik von den selbsternannten Richtern bestimmt, vorschriftsmäßig in einen Fesselsack steckte und dann solange vor interessiertem Publikum mit einem Hartholzknüppel auf ihn einschlug, bis er tot war. Danach wurden vorsichtshalber gleich noch alle möglicherweise gefährlichen männlichen Nachfolger mit ausgerottet; jedenfalls hat man von keinem jemals mehr etwas gehört.
Bangkok, Taksins Thonburi, war eine strategisch angelegte Stadt, die schon zur Zeit des Untergangs der Angkor-Kultur existierte. Die Handelsstadt mit Verteidigungsmauer lag ursprünglich - wie das Zentrum des modernen Bangkok - östlich des Stromes. Der Chaopraya folgte damals dem Verlauf der Kanäle, die man heute als Klong Om, Klong Bangkok Noi und Klong Bangkok Yai kennt. Unter König Prachai (1534-1546), grub man den ersten, 6 Kilometer langen Durchstich (etwa von der heutigen Prapinklao- zur Memorial-Brücke), um den Umweg für die Lastkähne nach Ayudhya zu verringern. Dieser Kanal, der mitten durch die Stadt ging, wurde innerhalb weniger Jahre aber zum eigentlichen Flußbett, wodurch der größere Teil der alten Ansiedlung plötzlich auf der Westseite des Stromes lag.
Wie wichtig Bangkok schon damals war, mag man daraus ersehen, daß die Zolleinnahmen, die durch je eine Festung auf beiden Seiten des Flusses gesichert wurden, schon immer höher waren als die in Ayudhya. In Samsen, mitten im heutigen Bangkok, gab es schon eine chinesische Ansiedlung, in der Handel und Wandel blühten. Als Truppenbefehlshaber und Zolleintreiber heuerte man Perser, Inder und Türken an. Der letzte Befehlshaber war ein Franzose, der aber nur noch schnell die Festung modernisieren durfte, bevor man ihn 1688 als unerwünschten Ausländer - wie viele, soweit man sie nicht gleich köpfte - mit Schimpf und Schande davonjagte.
Die bedeutsame Lage Bangkoks war im 17. Jahrhundert auch im Westen bekannt: Jeremias van Vliet, ein Holländer, der in Ayudhya lebte, schrieb seinen Direktoren der Vereenigte Oostindische Compagnie:
Bangkok ist ein befestigtes Städtchen [...] sieben Meilen vom Meere und inmitten fruchtbarer Felder. Um die Stadt herum findet man viele Häuser und wohlhabende Farmen. Sie liegt günstig und könnte leicht ausgebaut werden. Wenn ein Prinz dieses Städtchen einnähme und befestigte, wäre Ayudhya vom Handel abgeschnitten. (Derick Garnier: Ayuttaya. Venice of the East. Bangkok 2004, 31.)
An die strategisch günstigste Stelle verlegte Chakri 1782 das Zentrum der Hauptstadt. Diesen Umzug - in historischen Dimensionen nichts anderes als eine Umsiedlung von Regierung und Führungselite in Außenbezirke - hatte schon Taksin beabsichtigt und damit begonnen, auf der Landzunge den Kanal hinter dem späteren Palastgelände ausheben zu lassen. Die künstlich geschaffene Insel war zuvor überwiegend von chinesischen Händlern bewohnt, die nach außerhalb des beschlagnahmten Palastgeländes umsiedeln mußten. So entstand der noch heute fast ausschließlich chinesische Stadtteil Sampeng.
Es versteht sich von selbst, daß der neue Herrschersitz einen noch ehrfurchtheischenderen Titel benötigte als Ayudhya und Thonburi. Ein aus 43 Silben zusammengesetzter Name oder vielmehr Jubelruf, der mit Grungthep Pra Maha Nakon..., begann, schien Chakri, der sich inzwischen des besseren Klanges wegen auch gleich selbst mit umbenannt hatte, schließlich würdig genug.
Dem ersten Chakri ging es in Bangkok vor allem darum, eine Stadt zu etablieren, die es mit der früheren Hauptstadt wieder aufnehmen konnte. Grungthep Maha Nakon (das erhebende hat man hier ausnahmsweise mal aufgegeben) steht heute für die eigentliche Hauptstadtprovinz (mit Thonburi und Minburi) - im Gegensatz zu , wozu noch die Provinzen Nonthaburi, Pathumthani, Nakonpathom, Samutprakan und Samutsakon zählen. Alles andere ist für Bangkoker , ein Wort, von dem man in Thailand glaubt, daß es englisch sei.
Thailänder , also Bürger außerhalb von Ban Kok, Samsen, Thonburi, Sampeng, Bangkok, Grungthep - oder wie immer man den Ort an der Mündung des Stromes im Laufe der Geschichte nannte -, kümmerten die zum Teil hochtrabenden Namensänderungen schon immer erfrischend wenig. So kommt es, daß das zur Weltmetropole gewordene Bangkok bis heute auch im ländlichen Thailand unverändert die übliche mündliche Bezeichnung der Hauptstadt ist - trotz allem offiziellen Grung Thep Mahanakon bzw. abgekürzt (mit offenem gesprochen). Dieser allererste Name ist zudem identisch mit dem Namen, den sämtliche westliche Besucher seit Jahrhunderten unverändert benutzen. Und dabei wird es wohl auch bleiben.

